Elektrotechnik-Ratgeber · 4 Min. Lesezeit

Pfusch bei der Elektro-Modernisierung: Kabelmuffen, WAGO-Klemmen und andere Warnsignale

Der Austausch einer Elektroanlage ist eine Investition in die Sicherheit Ihres Zuhauses. Umso unangenehmer ist es, wenn sich nach Abschluss der Arbeiten zeigt, dass wesentliche Teile der alten Installation bestehen geblieben sind oder die neue Installation gegen geltende Normen verstößt. In diesem Beitrag zeigen wir die häufigsten Abkürzungen, die wir bei nachträglichen Begutachtungen in Hamburg finden — und erklären, was stattdessen normkonform wäre.

Kabelmuffen in der Wand — der teuerste Scheinaustausch

Der klassische Fall: Der Auftraggeber bezahlt für eine Erneuerung der Leitungen, tatsächlich werden aber nur die ersten Meter ab dem Verteiler neu verlegt. In der Wand werden die neuen Leitungen mit den alten über Kabelmuffen verbunden — optisch nicht erkennbar, außer man sieht die Verbindungsstelle im offenen Kabelkanal. Danach wird verputzt und die „Sanierung“ ist scheinbar abgeschlossen.

Das Problem: Die DIN VDE 0100-520 verlangt, dass alle Verbindungsstellen dauerhaft zugänglich und wartbar sind. Eine Kabelmuffe, die fest einbetoniert oder eingeputzt ist, verstößt gegen diese Grundregel. Hinzu kommt, dass die weiterverwendeten alten Leitungen oft einen anderen Querschnitt oder Isolationszustand haben als die neuen — eine Mischinstallation, die unter Last thermisch unkontrolliert reagiert. Das Ergebnis sieht wie eine neue Anlage aus, ist aber eine Altinstallation mit frischem Verteiler.

WAGO-Klemmen in der Hauptverteilung — was erlaubt ist und was nicht

Hier wird es technisch, deshalb differenzieren wir genau. WAGO ist ein etablierter Hersteller, dessen Produkte in der Elektroinstallation breit eingesetzt werden. Der Fehler entsteht, wenn der falsche Klemmentyp am falschen Ort eingesetzt wird.

  • WAGO 221 / 222 (steckbare Verbindungsklemmen) sind für Installationsdosen und Abzweigdosen zugelassen — also dort, wo Leitungsadern einzeln verbunden werden. Im Hauptstromkreis, in der Zuleitung zum Zähler oder zum Haupt-LS-Schalter haben sie nichts verloren. Dort werden starre Sammelschienen, Rundleiter-Klemmen oder Reihenklemmen nach Herstellerangabe verwendet.
  • WAGO TOPJOB S (Reihenklemmen auf Tragschiene) sind dagegen ausdrücklich für Schaltschränke und Verteilungen zugelassen, auch für hohe Nennströme, und sind in Industrie- und Gebäudeverteilern Stand der Technik.

Wenn wir bei einer Begutachtung eine Hauptverteilung öffnen und dort einfache Steck-Klemmen an den Hauptleitungen finden, ist das ein klarer Fachfehler — nicht, weil das Produkt schlecht wäre, sondern weil es an einer Stelle eingebaut wurde, für die es nicht zugelassen ist. Die thermischen und mechanischen Anforderungen in der Hauptverteilung liegen außerhalb des Einsatzbereichs dieser Klemmen.

Weitere Warnsignale auf der Baustelle

Neben Muffen und falschen Klemmen gibt es weitere Anzeichen, an denen Sie die Arbeit bewerten können, ohne selbst Fachmann zu sein:

  • Keine Beschriftung im Verteiler. Jeder Stromkreis muss eindeutig beschriftet sein. Fehlen die Beschriftungen oder sind sie handschriftlich und inkonsistent, fehlt die Ordnung.
  • Fehlende Messprotokolle. Nach DIN VDE 0100-600 muss jede neue Anlage vor Inbetriebnahme gemessen und protokolliert werden. Ein Betrieb, der Ihnen kein Protokoll aushändigt, hat entweder nicht gemessen oder dokumentiert nicht sauber.
  • Keine Dokumentation der Leitungsführung. Nach der Sanierung sollten Sie wissen, wo welche Leitung liegt. Wir fotografieren bei jeder Wand, bevor wir sie schließen — für spätere Renovierungen ist das Gold wert.
  • Fehlende FI-Schutzschalter oder zu wenige Stromkreise am RCD. Moderne Installationen trennen Stromkreise auf mehrere FI-Schutzschalter auf, damit nicht die ganze Wohnung bei einem Auslösen dunkel wird.

Warum eine zweite Meinung sich lohnt

Wenn bei einer Modernisierung ein unangenehmes Gefühl bleibt — weil die Baustelle schnell ging, das Angebot auffällig günstig war oder plötzlich Muffen im Kabelkanal sichtbar sind — lohnt sich der Aufwand einer unabhängigen Prüfung. Wir begutachten neu erstellte Installationen in Hamburg und erstellen ein sachliches, dokumentiertes Gutachten. Das Ergebnis können Sie dem ausführenden Betrieb vorlegen oder, falls nötig, an die Handwerkskammer weiterreichen.

Eine Elektroinstallation ist nicht das Richtige, um Geld zu sparen. Sie ist das Fundament, auf dem alles andere in Ihrem Haus aufbaut — vom Licht bis zur Wallbox. Wenn dieses Fundament nicht stimmt, kostet Sie das in den nächsten Jahrzehnten mehr, als Sie beim Angebot eingespart haben. Wir sind gerne Ihre zweite Meinung.

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