Neue Fenster, dichte Hülle, und plötzlich beschlagen die Scheiben: Viele Eigentümer rüsten deshalb eine dezentrale Lüftung nach — ein Gerät in der Außenwand, das Luft austauscht und die Wärme zurückgewinnt. Eine gute Entscheidung. Bei einem Kunden in Hamburg sahen wir diese Woche, wie sie umgesetzt wurde: Das Gerät hängt schief, die Fugen sind mit Silikon zugeschmiert, und quer durch die Wand läuft ein offener Schlitz mit einer losen Leitung darin.
Der Lüftungsbauer hat sein Gerät montiert. Der Elektriker war nie da. Und der Putzer auch nicht. Genau das ist das Problem bei nachgerüsteter Technik: Drei Gewerke, ein Auftrag, und die Elektrik bleibt am Ende übrig — im wörtlichen Sinn in der Wand.

Was wir vorfanden
Das Lüftungsgerät sitzt über einem Heizkörper in der Außenwand. Die Frontblende wurde abgenommen: Dahinter ein Wandrohr mit Lüfter, zwei dünne Adern für die Versorgung, und um das Rohr herum blaugrüne Dichtmasse, die Spalten zwischen Rohr und Mauerwerk füllen soll. Das Gerät selbst hängt nicht im Lot. Von der Wandseite führt ein Schlitz — gefräst, nie verputzt — quer durch den Raum zur Leitung, die das Gerät versorgt. Die Leitung liegt lose darin, der Putz an den Rändern bricht ab.
Fehler 1: Die Leitung liegt im offenen Schlitz
Eine Leitung unter Putz ist geschützt, weil der Putz sie schützt. Ein offener Schlitz ist das Gegenteil: Die Leitung ist mechanisch ungeschützt, kann beim Möbelrücken, Bohren oder Tapezieren beschädigt werden, und sie liegt möglicherweise außerhalb der Installationszonen nach DIN 18015-3 — den Bereichen, in denen jeder Handwerker Leitungen erwartet. DIN VDE 0100-520 verlangt, dass Leitungen so verlegt werden, dass sie vor mechanischer Beschädigung geschützt sind. Ein offener Schlitz erfüllt das nicht.
So machen wir es: Leitung in der Installationszone, im Schlitz fixiert, Schlitz verschlossen — und zwar bevor der Maler kommt, nicht danach.
Fehler 2: Welche Leitung ist das überhaupt?
Dezentrale Lüftungsgeräte laufen meist mit Kleinspannung: Ein Steuergerät versorgt die Lüfter mit 12 oder 24 Volt Gleichspannung, dazwischen liegt eine Steuerleitung. Das ist ungefährlich, solange die Kleinspannung von der Netzspannung getrennt bleibt. Werden Steuerleitung und 230-V-Leitung in einem Schlitz oder einer Dose zusammengeführt, gilt DIN VDE 0100-410: Stromkreise mit Schutzkleinspannung müssen von anderen Stromkreisen sicher getrennt sein. Bei unserem Fund war nicht einmal erkennbar, welche Leitung wohin führt — keine Beschriftung, kein Plan, keine Dose.
So machen wir es: Steuergerät der Lüftung in der Unterverteilung oder in einer eigenen Dose, Steuerleitung getrennt geführt und beschriftet, 230-V-Zuleitung mit eigenem Leitungsschutz.
Fehler 3: Steht das Gerät im Bad, gelten Bereiche
Lüftungsgeräte werden oft dort nachgerüstet, wo Feuchtigkeit entsteht — im Bad. Dann greift DIN VDE 0100-701: Rund um Dusche und Wanne gibt es Bereiche, in denen nur bestimmte Betriebsmittel mit passender Schutzart zulässig sind, und der Stromkreis braucht einen FI-Schutzschalter mit 30 mA. Ein Lüftungsgerät, das ein Lüftungsbauer „einfach an die Wand“ setzt, wird selten darauf geprüft.
So machen wir es: Vor der Montage klären wir Bereich, Schutzart und FI. Erst dann wird gebohrt.
Fehler 4: Silikon ist keine Montage
Dichtmasse zwischen Wandrohr und Mauerwerk soll Zugluft stoppen. Sie ersetzt aber weder eine saubere Kernbohrung noch die Montage im Lot. Ein schief sitzendes Gerät lässt sich nicht dicht schließen, der Filter sitzt nicht richtig, und bei der nächsten Wartung reißt die Dichtmasse ab. Das ist kein elektrischer Fehler — aber er zeigt, wie das ganze Projekt angegangen wurde.
So machen wir es: Wenn wir eine Lüftung in einer Sanierung mitplanen, ist die Kernbohrung im Lot, das Gerät sitzt plan auf der Wand, und der Elektroanschluss ist fertig, bevor die Blende drankommt.

Wer schließt eine Lüftung an?
Der Elektroanschluss eines Lüftungsgeräts — ob 230 V oder Kleinspannung über ein Steuergerät — ist Arbeit an der elektrischen Anlage. Sie gehört zu einem Elektrofachbetrieb, der die Leitung verlegt, absichert, misst und dokumentiert. Der Lüftungsbauer liefert das Gerät und das Wandrohr. Der Putzer schließt den Schlitz. Wenn drei Firmen beteiligt sind, muss jemand die Reihenfolge festlegen. Fehlt dieser Jemand, sieht das Ergebnis aus wie auf unseren Fotos.
So planen wir Lüftung in einer Sanierung mit
Bei einer Komplettsanierung sind Lüftungsgeräte einer von vielen Verbrauchern, die in den Plan gehören — wie Wallbox, Wärmepumpe oder Außenbeleuchtung. Wir legen die Leitungen, bevor die Wände geschlossen werden, sichern die Stromkreise in der Verteilung ab und übergeben ein Messprotokoll, in dem auch die Lüftung steht. Bei einer Elektrosanierung im Bestand prüfen wir nachgerüstete Geräte gleich mit. Ein offener Schlitz fällt dabei sofort auf — und wird geschlossen, bevor er Ärger macht.
Wenn bei Ihnen eine Lüftung, ein Lüfter oder ein anderes Gerät nachgerüstet wurde und Sie nicht wissen, wer den Elektroanschluss gemacht hat: Ein Foto der Stelle genügt, und wir sagen Ihnen, ob es in Ordnung ist.
Häufige Fragen
Muss ein Elektriker den Lüfter anschließen?
Ja. Der Anschluss an das Stromnetz — auch über ein Steuergerät mit Kleinspannung — ist Arbeit an der elektrischen Anlage und gehört zu einem eingetragenen Elektrofachbetrieb.
Darf eine Leitung im offenen Schlitz liegen?
Nein. Leitungen unter Putz müssen im Schlitz fixiert und der Schlitz muss verschlossen werden. Solange er offen ist, ist die Leitung ungeschützt.
Welche Schutzart braucht ein Lüftungsgerät im Bad?
Das hängt vom Bereich ab, in dem es sitzt. In der Nähe von Dusche und Wanne sind höhere Schutzarten vorgeschrieben, und der Stromkreis braucht einen FI mit 30 mA. Wir prüfen das vor der Montage.
