Sie haben einen neuen Schaltschrank bezahlt. Saubere Front, neue Automaten, alles sieht modern aus. Und trotzdem ist die Anlage ein Sicherheitsrisiko — manchmal lebensgefährlich. Klingt paradox, ist aber Alltag: Bei nachträglichen Begutachtungen in Hamburg finden wir immer wieder dieselben groben Ausführungsfehler in Verteilungen, die erst wenige Monate oder Jahre alt sind. Eingebaut von Betrieben, die sich „Fachbetrieb“ nennen.
Dieser Beitrag zeigt sechs Fehler, die wir regelmäßig in angeblich modernisierten Schaltschränken aufdecken — was daran gefährlich ist, was die Norm verlangt, und wie eine korrekte Ausführung aussieht. Kein Marketing-Sprech, sondern konkrete Punkte mit Verweis auf DIN VDE.
1. WAGO-Klemmen mitten im Schaltschrank
WAGO-Verbindungsklemmen sind hervorragend — in der Verteilerdose, für Abzweige. In der Hauptverteilung haben lose Steckklemmen für tragende Verbindungen nichts zu suchen. Wir öffnen neue Schränke und finden ganze Reihen von WAGO-Klemmen, mit denen Leitungen „irgendwie“ verbunden wurden, statt sauber auf Reihenklemmen oder Sammelschienen aufgelegt zu werden.
Das Problem: lose Klemmstellen im Verteiler erwärmen sich unter Last, die Verbindung altert, der Übergangswiderstand steigt — eine der häufigsten Ursachen für Schwelbrände. So machen wir es: definierte Reihenklemmen, Sammelschienen und normgerechte Auflage jeder Ader nach DIN VDE 0100-520.
2. Litzen ohne Aderendhülsen — oder einfach verdrillt
Feindrähtige Leitungen (Litze, H07V-K) gehören in eine gecrimpte Aderendhülse, bevor sie in einen Automaten oder eine Klemme kommen. Wir finden stattdessen: blanke, verdrillte Litzen, direkt in den Sicherungsautomaten gesteckt. Ohne Hülse.
Eine Litze ohne Aderendhülse verliert Kontaktfläche und Klemmkraft — Einzeldrähte brechen weg, der Querschnitt am Kontakt sinkt, die Stelle wird heiß. Brandgefahr direkt im Schaltschrank. Die Norm ist eindeutig (DIN 46228, DIN VDE 0100-520). So machen wir es: jede Litze mit passender, gecrimpter Aderendhülse — kein verdrilltes Provisorium.

3. Zwei verschiedene Querschnitte in einer Sicherung
Ein Klassiker, den viele nicht ernst nehmen: zwei Leiter mit unterschiedlichem Querschnitt in einer Klemme eines Automaten. Der dünnere Draht bekommt nicht den nötigen Klemmdruck, der Kontakt wird lose — wieder Erwärmung, wieder Brandrisiko. Dazu ist die Absicherung dann für einen der beiden Leiter falsch dimensioniert.
So machen wir es: ein Leiter pro Klemme, korrekt dimensioniert, oder eine saubere Verteilung über Reihenklemmen. Jede Sicherung passt zum Querschnitt der Leitung, die sie schützt.
4. Keine Erdung — der Fundamenterder fehlt komplett
Der gefährlichste Fund: ein frisch modernisierter Schaltschrank, FI eingebaut, alles neu — aber das Gebäude hat keine funktionierende Erdung. Kein Fundamenterder, kein Staberder, keine durchgemessene Verbindung zur Haupterdungsschiene. Der Schutzleiter führt ins Leere.
Ohne wirksame Erdung kann der FI im Fehlerfall nicht zuverlässig auslösen — der Schutz, für den der Kunde bezahlt hat, existiert nur auf dem Papier. Das ist nicht nur ein Mangel, das ist eine Gefahr für Leib und Leben (DIN VDE 0100-540). So machen wir es: wir prüfen und messen die Erdung, ergänzen bei Bedarf einen normgerechten Tiefenerder und dokumentieren den Erdungswiderstand.
5. Kein Überspannungsschutz — oder nur zum Schein
Seit der Normungspflicht gehört in moderne Wohnanlagen ein Überspannungsschutz (SPD, DIN VDE 0100-443/-534). Wir finden Schränke ganz ohne — oder mit einem SPD, das sichtbar montiert, aber gar nicht richtig angeklemmt ist. Optischer Schutz, technisch wirkungslos.
So machen wir es: Überspannungsschutz Typ 1+2 korrekt eingebunden und mit dem Multimeter auf tatsächliche Anbindung geprüft — nicht nur reingesetzt.
6. Keine Messung, keine Dokumentation
Zu einer abgeschlossenen Elektroarbeit gehört das Messprotokoll nach DIN VDE 0100-600 und eine Stromkreisdokumentation. Fehlt beides, lässt sich nicht einmal nachweisen, dass die Anlage je geprüft wurde. Für Versicherung und beim Hausverkauf wird das schnell zum Problem.
So machen wir es: jede Anlage wird gemessen, beschriftet und schriftlich übergeben. Sie wissen auch in zehn Jahren, was wo liegt — und können belegen, dass alles geprüft wurde.
Neu heißt nicht sicher — lassen Sie nachmessen
Ein neuer Schaltschrank ist kein Beweis für eine sichere Anlage. Entscheidend ist, was hinter der Front steckt und ob die Erdung wirklich greift. Wenn Sie unsicher sind, ob bei Ihnen sauber gearbeitet wurde, holen Sie eine zweite Meinung ein, bevor etwas passiert.

Wir prüfen Bestandsanlagen methodisch: unser kostenloser Schaltschrank-Check deckt genau diese Punkte auf — mit schriftlichem Befund und Foto-Dokumentation. Zeigt sich Handlungsbedarf, erneuern wir den Sicherungskasten normgerecht oder modernisieren die komplette Schaltschrank-Anlage. Geplant und ausgeführt vom Diplom-Ingenieur — nicht nach Bauchgefühl.