Mein Name ist Maciej Mikoluszko, Diplom-Ingenieur Elektrotechnik und Geschäftsführer der ENELAN GmbH in Hamburg. Die häufigste Frage vor einer Wallbox-Montage lautet: „Was kostet die Box?“ Die Frage, die am Ende über den Preis entscheidet, lautet aber anders: „Was hängt eigentlich zwischen Hausanschluss und Garagenwand?“ Denn die Wallbox selbst ist der einfachste Teil des Auftrags.
Die kurze Antwort: Eine Wallbox wird nicht einfach an eine freie Sicherung geklemmt. Sie bekommt einen eigenen Stromkreis ohne weitere Verbraucher, eine passende Fehlerstrom-Schutzeinrichtung, eine nach Länge und Dauerstrom berechnete Zuleitung und Platz in einer Verteilung, die das trägt. Angemeldet wird jeder Ladepunkt beim Netzbetreiber — ab 12 kW braucht es zusätzlich dessen Zustimmung vor der Installation.
Dieser Artikel beschreibt, was in die Unterverteilung für eine Wallbox gehört, warum die Zuleitung gerechnet und nicht geschätzt wird, und woran Sie erkennen, ob Ihre vorhandene Verteilung überhaupt geeignet ist.
1. Wo eine Wallbox angeschlossen wird — und wo nicht
Eine Wallbox in Garage oder Carport hängt fast nie direkt am Zählerschrank. Dazwischen sitzt in der Regel eine Unterverteilung: ein kleiner Verteiler in der Garage oder im Nebengebäude, in dem die Schutzeinrichtungen für den Ladepunkt untergebracht sind.
Was nicht geht — und was ich trotzdem regelmäßig übernehme: die Wallbox auf einen bestehenden Stromkreis zu legen, an dem noch andere Verbraucher hängen. Nach den geltenden Errichtungsbestimmungen für Ladeeinrichtungen (DIN VDE 0100-722) bekommt jeder Ladepunkt seinen eigenen Endstromkreis. Ich habe Anlagen gesehen, bei denen zusätzlich eine Steckdose mit auf die Wallbox-Leitung geklemmt war, damit man in der Garage staubsaugen kann. Das ist unzulässig, und im Fehlerfall passen die Schutzeinrichtungen nicht mehr zusammen.
Der zweite typische Fehler ist der volle Zählerschrank. Die Box wird montiert, ein Automat wird irgendwo hineingequetscht, und die Reserve, die eigentlich für Wärmepumpe oder Photovoltaik gedacht war, ist weg. Spätestens wenn der Messstellenbetreiber den modernen Zähler setzen will, wird daraus ein Umbau unter Zeitdruck.
2. Was in die Unterverteilung hineingehört
- Eigener Endstromkreis für jeden Ladepunkt, ohne weitere Verbraucher.
- Fehlerstromschutz, der Gleichfehlerströme beherrscht. Ladevorgänge können Gleichfehlerströme erzeugen, die einen gewöhnlichen RCD vom Typ A „blind“ machen. Zulässig ist entweder ein RCD vom Typ B oder ein Typ A in Kombination mit einer Einrichtung zur Erkennung von Gleichfehlerströmen. Manche Wallboxen bringen diese Erkennung bereits mit — das ist im Datenblatt nachzulesen und entscheidet darüber, was im Verteiler nötig ist.
- Leitungsschutz passend zum Ladestrom und zur gewählten Zuleitung.
- Überspannungsschutz, besonders wenn die Zuleitung im Erdreich zu einem freistehenden Carport läuft.
- Reihenklemmen statt loser Steckklemmen. Steckklemmen sind gutes Material — in der Abzweigdose. Als dauerhafte Verdrahtung im Verteiler haben sie nichts zu suchen: keine Zugentlastung, keine Beschriftung, hinter der Abdeckung nicht mehr nachvollziehbar.
- Beschriftung und Schaltplan, damit der nächste Elektriker in zehn Jahren nicht raten muss.
- Reserveplatz. Ein zweiter Ladepunkt, eine Steckdose für den Rasenmäher, Licht am Carport — das kommt fast immer nach.
3. Warum die Zuleitung gerechnet wird
Der Querschnitt der Zuleitung ergibt sich aus mehreren Größen gleichzeitig: dem Dauerstrom, der Verlegeart, der Häufung mit anderen Leitungen, der Umgebungstemperatur und dem zulässigen Spannungsfall über die Länge.
Der entscheidende Punkt für Hausbesitzer ist die Länge. Eine Wallbox an der Hauswand neben dem Hausanschlussraum ist elektrisch etwas völlig anderes als dieselbe Wallbox am Carport am Ende des Grundstücks. Bei zwanzig, dreißig Metern Leitungsweg kommt schnell ein Querschnitt heraus, den man „nach Gefühl“ nicht gewählt hätte.
Eine Wallbox belastet die Leitung außerdem anders als ein Herd: Sie zieht ihre Leistung nicht in Spitzen von wenigen Minuten, sondern über Stunden. Genau dafür ist die Auslegung nach Dauerstrom gedacht. Eine zu klein gewählte Leitung wird warm, verursacht Verluste und altert schneller.
Mein Rat aus der Praxis: Wenn ohnehin ein Graben offen ist oder eine Wand aufgemacht wird, lieber eine Nummer größer und ein Leerrohr dazu. Der Materialpreis ist der kleinste Posten. Die Erdarbeiten ein zweites Mal zu bezahlen, ist der größte.
4. Anmelden, genehmigen, §14a — die Reihenfolge
Hier werden die meisten Fehler gemacht, und zwar nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die Schritte unbekannt sind:
- Anmeldung: Jeder Ladepunkt ist beim Netzbetreiber anzumelden — auch die 11-kW-Box in der Einzelgarage. In Hamburg ist das Stromnetz Hamburg.
- Zustimmung ab 12 kW: Oberhalb dieser Grenze ist die Ladeeinrichtung zustimmungspflichtig. Die Zustimmung muss vor der Installation vorliegen, nicht danach. Deshalb wird eine 22-kW-Box häufig zunächst auf 11 kW begrenzt betrieben, wenn der Netzanschluss mehr nicht hergibt.
- §14a EnWG: Neue Ladepunkte werden als steuerbare Verbrauchseinrichtungen angemeldet. Das klingt nach Einschränkung, ist aber Ihr Vorteil: Sie erhalten reduzierte Netzentgelte. Voraussetzung ist, dass die Steuerbarkeit technisch vorbereitet ist.
- Dokumentation: Messprotokoll, Schaltplan, Datenblätter — das gehört Ihnen und sollte am Ende in Ihrem Ordner liegen.
Wurde bei Ihnen montiert, aber nie angemeldet, lässt sich das nachholen. Wie das abläuft, habe ich hier beschrieben: Wallbox nachträglich anmelden.
5. Reicht mein Hausanschluss überhaupt?
Diese Frage lässt sich nicht am Telefon beantworten, aber sie lässt sich strukturiert klären. Maßgeblich ist nicht die Summe aller Geräte im Haus, sondern die realistisch gleichzeitig genutzte Leistung. Ein Einfamilienhaus lädt selten gleichzeitig zwei Autos, während Herd, Wärmepumpe und Sauna laufen.
Wenn es eng wird, gibt es zwei Wege, bevor man den Hausanschluss verstärkt — was aufwendig und teuer ist:
- Leistungsbegrenzung der Wallbox: Eine 22-kW-Box lässt sich fest auf 11 kW einstellen. Für die Nacht reicht das in nahezu jedem Haushalt.
- Lastmanagement: Die Ladeleistung wird dynamisch reduziert, wenn andere Verbraucher Leistung ziehen. Bei zwei Ladepunkten oder in Mehrparteienhäusern ist das ohnehin die saubere Lösung.
6. Woran Sie erkennen, dass es sauber gemacht wurde
Sie müssen keine Verteilung lesen können. Es reicht, wenn Sie nach der Fertigstellung diese Punkte abhaken können:
- Sie haben ein Messprotokoll erhalten — nicht nur eine Rechnung.
- Die Anmeldung beim Netzbetreiber ist bestätigt, und Sie haben den Nachweis.
- Im Verteiler ist beschriftet, welcher Automat zur Wallbox gehört.
- Es gibt einen Schaltplan, der zum tatsächlichen Aufbau passt.
- Auf Nachfrage kann Ihnen der Betrieb erklären, welcher Fehlerstromschutz gewählt wurde — und warum.
Fehlen mehrere dieser Punkte, heißt das nicht automatisch, dass die Anlage gefährlich ist. Es heißt, dass niemand es geprüft hat. Genau dafür gibt es die Zweitmeinung: Elektro-Pfusch prüfen und beheben.
Wenn Sie eine Wallbox neu planen, finden Sie den kompletten Ablauf hier: Wallbox in Hamburg — Installation und Anmeldung. Und wenn Sie gerade bauen, ist der günstigste Zeitpunkt jetzt: Elektroinstallation im Neubau.